Kostenloser Horrorfilm bereits 4 Millionen Mal angeschaut

Klamotten

Nicht nur Produkte aller Art gibt es kostenlos. Auch abstraktere Dinge wie zum Beispiel Kunst, Bildung und Unterhaltung gibt es manchmal gratis, zum Beispiel auch Filme! Den Horror Kurzfilm „Take off your clothes“, der vom deutschen Regisseur Felix Charin inszeniert wurde, gibt es kostenlos auf Youtube zu sehen. Und die fast 4 Millionen Views beweisen, dass es einen Klick wert ist!

Nur knapp 9 Minuten lang ist der kostenlose Film auf Youtube – ein kleiner Horrorfilm mit einer großen Message und einem wachsenden Publikum. Allzu viel wollen wir von der Handlung des Films nicht verraten, aber lassen Sie sich versichern: auch wenn der Film nur sehr kurz ist, ist er so gekonnt gemacht, dass Sie noch eine Weile darüber nachdenken werden.

Zum einen ist da der genial umgesetzte Horrorfilm Effekt. Wer sich gerne ein bisschen gruselt, kommt hier voll auf seine Kosten: ominöse Musik, stimmungsvolle Soundeffekte, geschickte, wackelige Kameraführung und auf die Folter stellende Perspektiven, Minuten der sich aufbauenden Spannung und reichlich Erschreck-Momente, bei denen man zusammenzuckt – denn man weiß genau, dass Etwas Unheimliches kommt, man weiß nur nicht, was es ist!

An einer solchen Produktion arbeiten eine ganze Reihe talentierter Leute mit. Dazu gehören natürlich die Hauptdarstellerin Zsá Zsá Inci Bürkle, die eine wirklich hervorragende Performance abliefert. Aber auch die Nebendarsteller, die Set Designer, die Verantwortlichen für Sound und Musik, und natürlich derjenige, bei dem alle Stränge der Action zusammenlaufen: der deutsch-russische Regisseur Felix Charin.

Felix Charin arbeitet als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und manchmal auch als Schauspieler. Mit seinem Projekt „Take off your clothes“ wollte er die Problematik der modernen Fast Fashion auf dramatische Weise ins Rampenlicht rücken, während gleichzeitig ein unterhaltsames Stück Horrorfilm Kunst geschaffen wurde. Das führt uns nun zur eigentlichen Botschaft des Kurzfilms: um was geht es?

Felix Charin und sein Team stellen mit ihrem kurzen, aber knallharten Youtube Schocker „Take off your clothes“ das moderne Geschäftsmodell der Fast Fashion an den Pranger. Ohne die spannende Handlung vorwegzunehmen, können wir verraten, dass der Film harsche Kritik übt an der tragischen Realität der Textilfabrikarbeiterinnen, die in den ärmsten Ländern der Welt unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, um für Großkonzerne der Modeindustrie billige Kleidung herzustellen.

Die extrem schlechte Behandlung der Armen ermöglich den Komfort und die Trendsucht der Reichen. Diese Ungerechtigkeit wird so lange weiterbestehen, wie es Nachfrage gibt – denn so funktioniert der Kapitalismus nun einmal. An erster Stelle steht immer Profit, Menschenleben, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit zählen erstmal nicht. Kunst, wie zum Beispiel Horrorfilme, fungiert an diesem Beispiel als Mittel zum Zweck, um diese Missstände anzuzeigen und der breiten Bevölkerung ins Bewusstsein zu rufen.

Die Kritik an der modernen Modeherstellung ist nicht neu. Bereits die preisgekrönte Dokumentation „The True Cost“ aus dem Jahr 2015 hatte das Ziel, über die Arbeitsbedingungen und Produktionsverhältnisse sowie die verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt aufzuklären.

Anklagende Beschuldigungen von „moderner Sklaverei“ wurden laut. Katalysator für den wachsenden Protest sind zum einen die immer bedrohlicher werdenden Auswirkungen von Klimawandel und Umweltverschmutzung, sowie das fatale Schreckensevent rund um die Textilfabrik Rana Plaza.

Diese Fabrik in Bangladesch stürzte 2013 ein, später veröffentlichte Berichte belegten, dass es sich um grobe Fahrlässigkeit handelte, denn das Gebäude war schon seit Jahren offensichtlich extrem baufällig, was den Fabrikbetreibern jedoch egal war. Über 1000 Menschen wurden bei der Tragödie getötet.

Ein ähnlicher Aufschrei wurde nach dem Brand in der Tazreen Kleiderfabrik laut, ebenfalls in Bangladesch und nur ein Jahr zuvor. Hierbei wurden ebenfalls hunderte Arbeiter getötet und verletzt. Visuelle Hinweise auf diesen Brand und die dadurch ausgelöschten Leben der Näherinnen ziehen sich auch durch Felix Charins Film.

Ohne Zweifel haben Felix Charin und seine Crew mit „Take off your clothes“ einen Kurzfilm geschaffen, wie er besser nicht sein könnte – nicht nur ist das kleine Kunstwerk tadellos inszeniert, toll geschauspielert und auf die beste Art und Weise gruselig, sondern enthält auch eine wichtige sozialkritische Botschaft, die uns als Konsumenten von Fast Fashion Produkten alle etwas angeht.

Allerdings: der Kurzfilm bildet nicht, sondern regt nur dazu an, sich selbst zu bilden. Wer von Fast Fashion oder den Zuständen in den Textilfabriken noch nie etwas gehört hat, der wird sich vielleicht nur wenig Reim auf die Message des Filmchens machen können. Ohne ein bisschen weiterführende Info könnte der Film trotz aller guten Absichten sein Ziel verfehlen – vielleicht gerade bei jenen Leuten, die es wohl am meisten betrifft.

Außerdem schärft der Film zwar das Bewusstsein, aber handfeste Lösungen zum Problem werden nicht wirklich aufgezeigt. Klar, man sollte einfach keine billigen Klamotten mehr kaufen, sollte beim Shoppen darauf achten, dass die Produkte ethisch vertretbar hergestellt wurden. Aber was passiert, wenn das wirklich alle machen?

Dann würden die schrecklichen Textilfabriken zwar mangels Nachfrage schließen müssen, aber das würde Tausende von Arbeiter:innen ohne jegliche Chance auf Einkommen zurücklassen. Ganze Familien sind von den Gehältern der Modehersteller abhängig und haben keine Alternative. Das Problem ist eben leider sehr komplex und so einfach nicht zu lösen, auch wenn es gut gemeint ist.

Wir alle lieben Schnäppchen. Lebenshaltungskosten werden immer teurer, und trotzdem will man keine Abstriche machen müssen. Aus diesem Grund gilt für die meisten Menschen verständlicherweise das Motto: je billiger, desto besser. Und es gibt durch die heutige Marketing-Madness eben auch genug kostenlose oder extrem billige Produkte – warum sollte man da nicht auch zugreifen?

Basierend auf diesem Grundgedanken haben wir unsere Schnäppchenjäger Seite gegründet. Die Erfahrung mit dem Film „Take off your clothes“ hat uns jedoch vor Augen geführt, dass auch die Schnäppchenjagd längst keine schwarz-weiße Angelegenheit ist: billiger ist eben nicht immer besser. Denn wenn man einmal aus der an sich selbst orientierten Perspektive herauszoomt und sich das „Große Ganze“ ansieht, ist es eben nicht so einfach.

Ja: man kann die gewünschten Produkte – auch Mode – zu billigeren Preisen bekommen, ohne dass man damit die Fast Fashion Industrie mit ihren unmenschlichen Arbeitsbedingungen unterstützt. Wirtschaftliche, ökologische und eben auch massive soziale Probleme bestehen, und dieses komplexe Geflecht muss von einem verantwortungsbewussten Konsumenten bei jeder Kaufentscheidung mit einbezogen werden.

Mit Hinblick auf die ergreifende Wahrheit, die durch „Take off your clothes“ kommuniziert wird, rufen wir daher unsere Schnäppchenjäger zu einem besonnenen Konsumverhalten auf.